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Thema:

Boy-Groups-

das Teenie FAN-omen der 90iger
Buchautor: Jan Weyrauch

copyright by G. Kanera/J.Weyrauch

 




Jan WeyrauchJan Weyrauch aus Berlin on Radio Fritz


Ich gehe davon aus, daß inzwischen fast jede Familie, in denen es junge Töchter gibt, von diesem Thema betroffen ist.
Das habe ich zum Anlaß genommen, den Buchautor Jan Weyrauch aus Berlin selbst zu Worte kommen zu lassen, in der Hoffnung, in so manche Familie wieder Ruhe und Verständnis zu bringen aber auch Ängste abzubauen. Auf die Frage, wie er dazu gekommen ist, ein Buch zu dem Thema zu schreiben, ob ihm nach Schreiben des Buches einiges klarer war und warum so viele Boygroups existieren können? sagte er:

Jan:
Also, ich habe angefangen, mich mit dem Thema zu befassen, weil ich beim Radio als Reporter gearbeitet habe. Ich bin rausgeschickt worden zu Fans, zu einem Konzert von New Kids on the Block, damals vor sieben Jahren war das. Ich bin daraus gegangen, ohne irgendeine Meinung dazu zu haben. Ich wußte nicht, wer sind die 'New Kids On The Block', ich wußte nicht was abgeht, auf solchen Konzerten. Ich bin zu diesem Konzert gekommen und war voellig baff, was da für eine Ekstase war, wie da geschrien wurde, warum so viele Maedchen auf diese Jungen stehen. Das hat mich von Anfang an fasziniert. Letztendlich habe ich das Buch ja mehr ueber die Fans, als ueber die Boygroups geschrieben. Ich hab' mich immer gefragt, was ist dran an diesen Jungen, daß die Maedchen sich so in die verlieben und soviel fuer die tun, was die Fans alles in Kauf nehmen um an die Jungs ran zu kommen. Nachdem ich mich jetzt sechs Jahre damit beschäftigt habe, ist mir schon ziemlich viel klar was da dran ist. Spannend ist ja, es gibt eine ganze Menge Boygroups, also zur Zeit gibt es sieben oder acht, ich habe eben mal durchgezählt, also sieben, acht sind mir eingefallen und jede Boy-Group hat ihre eigenen Fans. Man denkt immer, eine Boy-Group müßte doch reichen für alle. Aber es ist einfach so, eine Boy- Group besteht immer aus vier Jungen oder auch manchmal fünf Jungs auch, bei Touché sind es fünf. Und wenn man die Fans fragt, das hast du ja eben auch gemacht, wird man immer hören: - ich find Touché gut aber ganz besonders Glenn ganz toll. Man hat immer einen ganz besonderen Liebling aus der Boy-Group. Und das ist ganz besonders wichtig bei den Boy-Groups. Es sind vier oder fünf Jungs, es sind unterschiedliche Typen und man kann sich so seinen eigenen Liebling raus suchen und in den kann man sich dann verknallen.


Wie alt sind die Fans und was stellen Fans alles an und um ihrem Star näher zu sein , Jan Weyrauch weiß die Antwort.

Jan:
Es ist natürlich auch eine Phase. Man muß gucken, wie alt sind die Fans. Die Kerngruppe ist so zwischen 14, 15 aber es geht schon meistens bei 11 los, 11 Jahre bis 16, 17. Wenn man jetzt guckt, wann fängt die Pubertät an, ist das genau deckungsgleich. Im Prinzip sind das alles Mädchen, die in der Pubertaet sind.Wenn man in die Pubertaet kommt, passiert im Koerper eine ganze Menge, also man bekommt so die ersten sexuellen Gefühle, aber der Kopf ist noch gar nicht soweit. Man will's noch gar nicht so richtig ausprobieren. Also vielleicht traeumt man schon mal davon, einen Jungen zu kuessen, einen richtigen Zungenkuß zumachen oder sogar auch schon mehr, aber so einen pickeligen Jungen aus der Klasse zu kuessen, will man dann nicht so richtig. Da sind doch die Jungs von den Boy-Groups ideal. Sie sehen toll aus, aber sie sind unerreichbar weit weg. Also man kann von ihnen traeumen, aber man läuft nicht Gefahr, sie wirklich kuessen zu muessen.
Die Kids lassen sich aber auch einiges einfallen um doch an die Jungen ran zu kommen. Also es geht schon los, wenn irgendwo eine Boy-Group angesagt ist in der Stadt. Ich habe zum Beispiel einmal bei den New Kids on the Block erlebt, da waren die richtig organisiert. Sie wußten nicht genau, in welchem Hotel werden die übernachten. Da standen vor drei Hotels in Berlin verschiedene Fangruppen, die hatten sich mit Funkgeraeten ausgestattet und jedesmal wenn irgendwann eine schwarze Limosine vorfuhr, wurde über diese Geraete an die Maedchen vor den anderen Hotels durchgegeben - hier sind sie gerade -. Dann rannten die los. Die Fangruppen waren relativ nah einander und man sah, die Fangruppen die ganze Zeit über den Kuhdamm hin und her rennen zwischen den Hotels. Also, die geben sich richtig viel Muehe. teilweise übernachten die schon am Tag bevor das Konzert los geht vor der Konzerthalle, egal ob es Winter oder Sommer ist. Also, die machen schon richtig viel dafuer.


Jan Weyrauch der Autor des Buches Boygroups - das Teenie- Fanomen der 90iger- weiß wovon er spricht, denn er hat sich eingehend mit dem Fanverhalten auseinandergesetzt.
Schnell ist man dazu geneigt, die Maedchen die stundenlang vor den Hotels warten um ihre Stars nur kurz zu sehen und wenn sie ihr gesamtes Taschengeld für ihre Boygroup ausgeben, mitleidig zu belaecheln, aber warum eigentlich, es zwingt sie doch keiner . Dieser Meinung ist auch Jan Weyrauch.

Jan:
Die Fan profitieren ja auch davon. Sie wuerden es ja nicht machen, wenn sie es nicht machen wollten. Sie haben ja sehr viel Spaß dabei und letztendlich muß man bedenken, daß es den Fans, wenn man mal Fans fragt, die frueher mal Fans waren, also zum Beispiel ehemalige Take That-Fans, werden die sich kaum noch an die Jungs erinnern, sondern sie erinnern sich nur noch daran, wie sie mit ihrer Freundin zu dem Konzert gefahren sind oder wie sie mit ihrer Freundin das und das gemacht hat. Letztendlich ist es ja eine Beschaeftigung mit sich selbst, viel weniger als mit der Boy-Group. Es ist eine ganz wichtige Phase in der Entwicklung. Deswegen glaube ich, das es ganz wichtig ist. Natuerlich geben die teilweise sehr viel Geld aus für diese Boy- Groups, aber man kann genauso viel Geld für irgendwelche Computerspiele oder sonst was ausgeben. 50 Mark, und das ist so der Durchschnitt, den die Maedchen so in der Regel ausgeben im Monat. Wenn die halt ihr Taschengeld dafür opfern und dafür ausgeben wollen, dann ist es schon wichtig, denke ich.


Wie lange sich eine Boy-Group in der Regel haelt und warum die Mädchen so heftig reagieren, wenn eine Trennung bevorsteht ist auch ganz leicht verstaendlich

Jan:
Boy-Group, sagt ja der Name auch schon, es müssen Boys sein, irgendwann werden die Boys dann auch zu alt. Bei Take That war nach vier Jahren Schluß. Da bricht eine Welt zusammen. Das ist dein Fixpunkt gewesen, dein Ein und Alles. Wenn du Fan bist, dann ist es einfach das, worauf du dich fixierst. Wenn es ploetzlich nicht mehr da ist, dann weiß man erst einmal gar nicht, was soll man machen. Es ist wirklich so, als ob da eine ganz wichtige Bezugsperson ploetzlich nicht mehr da ist, als ob die stirbt. Und die Reaktionen waren damals natuerlich sehr extrem. Aber letztendlich haben sie sich auch relativ schnell wieder beruhigt. In dem Alter ist es halt so. Man reagiert extrem, aber extrem schnell ist es dann alles wieder normal. Man findet dann auch wieder andere Boy - Groups.


Wenn die Maedchen aus der Fanphase herauskommen, bevor sich die angehimmelte Gruppe trennt, ist das vergleichbar mit einem Raucher, der zum Nichtraucher geworden ist. Die aus dem Fanalter herausgewachsenen Maedchen, sind die, die die nachkommenden Fans am meisten belaecheln und am wenigsten Verstaendnis zeigen, nach dem Motto: Wie kann man nur. Die Poster werden von der Wand genommen und die Mappen mit den aus den diversen Jugendzeitschriften gesammelten Berichte werden versteckt.

Jan:
Dann versteckt man 's in irgendwelchen Schubladen und ist peinlich beruehrt, wenn man drauf angesprochen wird. Ja, es ist halt genau diese Phase. Wenn du diese Jungs brauchst und wenn du dann aber irgendwelche anderen Jungs ploetzlich gut findest, weil die dann interessanter sind, dann brauchst du auch nicht mehr.


Auf die Frage, warum auch bei den Girlgroups wieder hauptsaechlich Maedchen und nicht Jungen zu den Konzerten gehen, hat Jan Weyrauch auch eine Antwort

Jan:
Bei Boy-Groups ist es ja so, daß die Maedchen, die zu den Boy- Groups gehen, sich eigentlich nicht so recht vorstellen können, selber auf der Buehne zu stehen, die haben also keine Vorbildfunktion für die Maedchen, sondern ist mehr ein imaginaerer Partner, man kann mit ihnen eine Beziehung eingehen im Kopf. Bei Girl-Groups ist es jetzt so, daß Maedchen jetzt auch endlich mal die Chance haben, Vorbilder zu haben, die auf der Buehne stehen. Deswegen werden Girl-Groups auch auf ein Mädchenpublikum ausgerichtet.


Jetzt hat uns Jan Weyrauch zwar gesagt, was und warum das so mit den Boygroups ist, wie es ist, aber da stellt sich doch die Frage: Hat man als Eltern eine Chance das Kind aus dieser Fixierung loszubekommen. Ich behaupte einfach mal nein, man muß nur Geduld haben und gespraechsbereit sein, damit sich die Fronten nicht verhaerten. Hoeren wir doch mal, was Jan Weyrauch dazu meint, ob Eltern überhaupt eingreifen sollten.

Jan:
Also man hat in der Phase wenig Chancen, weil natuerlich Maedchen in dem Alter sich auch gerade losloesen wollen, eine Oppositionshaltung gegenueber den Eltern einnehmen wollen. Das heißt, man will zeigen, ich laß mir von euch nichts mehr sagen, sondern das, was ich mache, ist richtig. Ich denke, es ist am besten, wenn man da gar nicht groß eingreift, denn dadurch wird das Stehen zu der Boy-Group noch viel mehr verfestigt bei den einzelnen Fans. Es heißt, man sollte die moeglichst so lassen. Laß die mal zwei, drei Jahre ihr Ding austoben, dann wird sich das von ganz alleine beruhigen. Ich hab noch keinen einzigen Fan erlebt, bei denen es laenger angehalten haette.



Das war doch ein beruhigendes Schlußwort. Wer sich noch eingehender mit der Thematik beschaeftigen moechte, kann sich natuerlich das Buch kaufen. Der Titel war: Boygroups- das Teenie-FANomen der 90iger. Es umfaßt 196 Seiten mit Fotos und ist erschienen im Extent Verlag. Wenn Ihr noch Fragen habt zu diesem Thema, koennt Ihr wie immer schreiben an Studio Eins * Bachstraße 82 * 53639 Koenigswinter *



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